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Geburtstage und andere Willkürlichkeiten

Uuund noch ein Paradenbeitrag, diesmal für den von der Glucke einberufenen zu #thebestBurzeltagever.

Normal würde sich das fast in einem Tweet, auf jeden Fall auch in einem Kommentar unterbringen lassen. Ungefähr so:

„Der Dreißigste. Unaufgeregt am anderen Ende der Welt in Neuseeland auf Hochzeitsreise. Karottenkuchen zu zweit zum Frühstück und das war’s.“
Warum trotzdem ein Blogbeitrag?

Bedürfnisse versus Rituale

Seit mehr als 10 Jahren achte ich darauf, an meinem Geburtstag nicht arbeiten zu gehen. Das hat nichts mit gehobener Feierei zu tun – obwohl es die durchaus geben kann – sondern damit, dass ich nicht gern gesellschaftlichen Konventionen und Erwartungshaltungen unterliege.

Ich feiere meine Geburtstage nicht wirklich, ich „begehe“ sie eher. Mir erschließt sich nicht, warum ich an einem willkürlichen Datum, dass ich nicht beeinflussen kann (noch dessen Frequenz) etwas feiern soll, dass in meinen Augen keine Leistung darstellt.

Wenn jemand etwas Tolles geschaffen hat, eine schwierige Situation überstanden hat, eine Prüfung bestanden ist, ein persönlicher Herzenswunsch in Erfüllung geht oder sich ein paar Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort über den Weg laufen – kurz: wenn Bedürfnisse befriedigt werden – das sind für mich Anlässe zu feiern.

„Und nu? Feierst du dann auch kein Weihnachten, Ostern, Muttertag, usw.?!“ – Doch. Ich bin ja kein Eremit oder so. Ich feiere auch die Geburtstage meiner Kinder, meiner Frau, der weiteren Familie. Das liegt weniger an Inkonsequenz als viel mehr daran, dass die mir am Herzen liegenden Menschen ihre Bedürfnisse an eben diese Rituale knüpfen und sie deshalb feiern wollen. Manche Feiertage würdigen zudem eine ehemals erbrachte Leistung oder ein Ereignis, an dem eben die richtigen Menschen zur richtigen Zeit etwas Großes bewegen konnten (z.B. Tag der deutschen Einheit).

Erwartungshaltungen

Warum nun diese ablehnende Haltung zum Geburtstag? Das hat nicht mal direkt was mit Geburtstagen zu tun, sondern mit Erwartungshaltungen. Es wird gewöhnlich erwartet, dass man gut gelaunt einen tollen Tag miteinander harmonisch verbringen kann. Essen, Trinken, Spiele, Geschenke, usw.

Erwartungshaltungen gibt’s auch noch in anderen Geschmacksrichtungen: Wie sollte ich mein Kind erziehen, wie sollte ich eine Karriere im Beruf gestalten, welche Kleidung tragen, welche Wortwahl in Gesprächen nutzen…

Das regt mich ziemlich auf. Und verleitete mich auch schon zu der ein oder anderen deutlichen Bemerkung auf Twitter:

…oder auch:

Jeder und jedem das Seine

Ich bin der Meinung, dass es so viele Lebensansichten auf der Welt gibt, wie es eben Menschen gibt. Und dass jeder gern seine eigene haben kann. Aber bitte, bitte nicht die eigene anderen auf das Auge drücken sollte. Austausch ja, Oktruieren nein.

Und deswegen kann ich auch, abschließend und aus ganzem Herzen der Glucke zu ihrem Jubiläum gratulieren und mich mit ihr freuen: Das sind ihre Lebensansichten, ihr Geburtstag und ihre ehrliche und eigene Freude, es heute zu feiern und glücklich zu sein. Happy Birthday, meine liebe! 😉

Autor: steffen

Lebt. Liebt. Streitet.

2 Kommentare

...und was meinst du dazu?