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Wochenende in Bildern 3./4. Oktober – Adieu Freiluftsaison!

Der Samstag beginnt harmonisch um kurz nach vier Uhr morgens, indem das Töchterchen des Hauses lautstark um die Erleichterung bittet, um die ich sie bereits am Vorabend bat: Nuja, das Töpfchen ist voll, das müde Känguruh will gehört werden. Papa schlurft zurück ins Bett. Kurz nach halb acht – der weckerdominierte Rhythmus der KiTa-Tage lässt grüßen – erneutes Krähen aus dem Zimmer des Tochterherzes: Irgendwas mit „brauch“ und „Windel“. Im Falschgeldmodus rüberstolpernd darf ich zur Kenntnis nehmen, dass K1 lediglich kundtat, sie „brauche keine Windel mehr“, weil sie ja nun schon groß sei. Entsprechend liegt das gute Teil ausgezogen vorm Bett, das Kind steht fröhlich in selbigem.

Morgenstund hat Pffffft

Wir düsen los, Brötchen holen. Laufrad für’s Kind, Fahrrad für den Papa: Das ist fix und die Kombi schlechte-Laune-Hunger-vorm-Kaffee-ausm-Haus ist’s zufrieden. Die Weltuntergangsschlange beim Bäcker verkrafte ich noch, das „pfffft“ kurz nach Antritt des Rückwegs zehrt hingegen erfolgreicher an den Nerven: Scheißventil am Laufrad, zum zweiten Mal. Das erste Mal war ja auch zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt gewesen.

Platten

Was soll’s, Kind hinten drauf, Pffffft-Maschine vorn quer, weiterschieben. Der Gesang vom Gepäckträger „niss richtich!“ trifft formvollendet die Kerbe der obig erwähnten Kombi.

Noch nicht wieder richtig zuhause angekommen, stelle ich erneut fest, dass Menschen, die Dinge zum Lesen verteilen, nicht zwangsweise selbst dieser Kunstform anheim gefallen sein müssen:

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Gesegnet mit Blindheit, Blödheit oder schlichter Ignoranz durfte ich jedenfalls dem Titelblatt des Dummfugs entnehmen, dass die Probanden „ja keine Rechten seien, aber…“ – ich mag euch den Rest ersparen. Er tat meiner obig erwähnten Kombi keinen Gefallen.

Freiluftsaison: Adios!

Die verschiedentlichen Wetterservices waren sich weitgehend einig über einen brauchbaren Samstag, was mich am Vortag zum Erwerb finalen Grillguts animierte: Der Familienplan säuselte etwas von „WE dahoam“ nebst Räumung der Terrasse. Folglich waren Außenarbeiten vorgesehen, die in der morgendlichen Stunde allerdings noch ohne kindliche Außenbeteiligung erfolgen sollte (die zwei Schnoddernasen laufen auch so schon ganz ordentlich).

Ergo: Papa drin, die Holde durchwirbelte unsere Distelkulturen.

Während der Bespaßung der Brut schaffte ich es tatsächlich, ein weniglich zu räumen. Derweil verschaffte der Lütte meiner ihm eilig hingeworfenen Minimalismuskunst einen eigenen Touch, den man locker an ein paar Horror-Blättchen weiterreichen könnte.

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Und echter Kunst würdig hatte das Gemälde eine Halbwertszeit von wenigen Minuten, bevor die große Schwester meinte, dem Brett ein Reset verpassen zu müssen, nur um mich im Nachhinein zur prompten Wiederholung des Malens zu animieren.

Ich und Kunst.

Pünktlich zum späten Vormittag schließlich kippte wie üblich die Wachheit von K2 in kontrolliertes Quengeln, dem durch einfaches Platzieren ins Bett begegnet werden kann.

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Ich möchte nicht behaupten, dass das bequem sei. Es ist nur eben die Kulminationspunktstellung nach dem wachen Hinlegen und den 5kg-Lidern, die partout nicht mehr wollen.

Das letzte Mal Grillen also: Als Final-Menü hatte ich ‚Dreierlei vom toten Tier‘ apportiert.

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Entgegen meiner sonstigen Unkunde beim Garen von Speisen auf unserer Landmann-Maschine gelang es halbwegs und wurde – ebenso wie die Trennkost-Salatbeilage – vollständig vernichtet. Gestärkt vom Mahl und den stetig gestiegenen Temperaturen erreichte ich schließlich die Terrasse mit dem Ziel, das Mobiliar für den Winter einzumotten.

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Dabei fiel mir auf, dass der vor nicht mal zwei Jahren bereitgestellte Torbogen so verwachsen war, dass sich Rose und Clematis bereits auf halber Höhe getroffen hatten. Das trotz Wühlmäusen im gefühlten Dutzend pro Quadratmeter. Freude.

Der Abendspaziergang schließlich hielt zwei Freuden bereit: Zum einen diesem kleinen putzigen Ker hier, dem (bzw. seiner Sippe) ich das Gedeihen einiger sonst üblicherweise schneckengeplagter Bestandteile im Garten zuschreibe.

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Zum anderen einen ziemlich schicken Sonnenuntergang, den die Holde fotografisch ja unbedingt noch toppen musste.

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Die Rollen bei so ’nem Spaziergang sind übrigens klar verteilt: Die Mittagsschlafverweigerin wünscht zu ruhen (der Frühstücksausritt war schließlich Aufregung genug), die Alten genießen die Landschaft, die Luft und die Ruhe der Kids am Abend – und der Frischling im Club der zweibeinigen Fortbewegung übernimmt liebend gern die Sänfte seine älteren Schwester.

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„Haste mal ne Scheißhausrolle?“

Der Sonntag beginnt als Thriller: Luxus ist, zwei Klos in den eigenen vier Wänden zu haben. Notstand ist, wenn auf Lokus eins die Rolle leer ist, während Pott zwei eine Hand voll zarte Restblättchen vorzuweisen hat. Es ist doch erst morgens! Verschlafen und verschüchtert Nachbars zu besuchen sind letztere zwar schon fast gewohnt, aber bisher war’s eher so „ich brauch ma n Ei“, Stück Butter, ne Milch, ne Tasse Mehl. Aber Klopapier?

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Passend zum akuten Mangel trägt K1 eine freie Textvariante vor, wie ich es normalerweise mit anderen Kinderliedern mache: „Ich habe eine Maus gesehn…

…ja das fehlt hier, hier hier… Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

Auftragen, Polieren

Die Außenanlagen blühen in all ihrer Pracht, den Oktober locker flockig ignorierend. Würd ich als Distel bei dem Wetter aber auch nicht anders machen.

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(Das Ding war übrigens mal ein Lavendelbeet. Dann kam, nach unserem geliebten Maulwurf, die Wühlmaus, und brachte alle Freunde mit, die sie finden konnte. Das ist das Ergebnis.)

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Egal, die Terasse ist inzwischen leer, ebenso wie Papas Akku. Zeit, die Ernte aus 2 nicht mehr küchentauglichen Kartoffeln zu verarbeiten. Die haben wir, nachdem sie bereits angekeimt waren, lieber im Frühjahr ins Beet gesteckt, zwischendrin einmal angehäufelt, einmal gejätet, und dann das hier eingefahren:

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Kann ich persönlich mit leben. Der daraus entstandene Kartoffelbrei sicherte mir einen gefestigten Platz in mindestens 3 Herzen. Und 4 Mägen. (Für morgen hat die Hausfrau dann auch noch was da.) Fischstäbchen dazu, der Tiefkühler will schließlich leerer werden, um der letzten Hinterlassenschaft des ehemalig elterlichen Anwesens – ein gutes Dutzend Enten – von denen zwei nächste Woche den Weg zu uns finden wollen.

Geocaching extreme

Als Abschluss des Wochenendes vor dem obligatorischen Sonntagsbad-Überschwemmungsdesaster der Kids planten wir, die Elbe mittels Rädern zu erkunden. Vorher gehen nochmal alle schick auf’s Töpfchen, die Blatt-Rationen sind eingeteilt. Und naja, mit Lesematerial geht’s leichter…

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…über den Pragmatismus beim Thema ‚lonely socks‘ lässt sich trefflich streiten, is ja aber auch egal. Sieht man in den Schuhen eh nicht.
Diesmal wollen wir die Elbe nicht auf einem uns bereits bekannten Weg finden, das wär ja langweilig. Nein. Einfach frei Schnauze losfahren, und zwischendrin im Zweifel mal auf das Mobile Dingens schielen, um souverän den Anflug von Orientierungslosigkeit zu übertünchen.

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Is ja schick, so im alten Land. Mit nem Hänger mit zwei Kids drin in matschigen Treckerspuren zwischen Apfelbäumen zu fahren hat auch was. Irgendwie war der Weg eben halt weg…

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Egal! Irgendwann fand sich die Zivilisation auch wieder, nachdem wir bei leicht irritierten Bauern hinten auf den Gehöft auftauchten und quer über ihren Hof Richtung Teer auf dem Boden strebten. Nur um dann festzustellen, dass das uns so so ländlich anmutende Abenteuerausflugsgelände als Hamburger Stadtgebiet verabschiedete.

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Schlussendlich haben wir sogar ein größeres Gewässer gefunden, das nicht ausschließlich zur Bewässerung schier unendlicher Apfelplantagen diente:

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Die Este. Ja, ok, da hinten irgendwo dümpelt der Nebenarm der Este lang, diese Elbe, die wohl Gerüchten zufolge bloß dafür existiert, damit das Wasser der Este – prominent im Bild – seinen Weg Richtung Nordsee findet. Und ganz vielleicht ist jenseits der Ebbe hier auch ne etwas größere Wasseransammlung zu besichtigen…

Dass dieses #WiB existiert, zeigt, dass wir den Heimweg erfolgreich hinter uns und die Kids wieder mal recht problemlos in die Waagerechte bringen konnten. Noch mehr Wochenenden gibt’s wie immer drüben bei den Mieraus!

Autor: steffen

Lebt. Liebt. Streitet.

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