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Was wäre wenn?

Vor wenigen Tagen schrieb Suse – der ich kürzlich in Hamburg kurz über den Weg stolpern durfte – über einige Fragen, die von Sascha und Almut ins Leben gerufen und initial in die Runde geworfen wurden.

Was wäre, wenn ich eine Frau wäre?

Dazu gab es insgesamt sechs Fragen, die jede/r TeilnehmerIn an der Blogparade für sich selbst beantworten sollte. Da ich a) Suse schätze und b) Gleichberechtigung ebenso, mag ich mir ergo die Zeit nehmen, mir zu überlegen, was denn wohl anders wäre.

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du eine Frau wärst?

Gleich die schwerste Frage zu Beginn. Denn wenn ich eine Frau wäre, wäre ich vermutlich anders sozialisiert worden. Ich hätte die Pubertät anders erlebt, den ersten Sex, die erste Beziehung, Schwangerschaften… Und das sind nur die intrinsischen Geschichten, die externen Einflüsse mag ich mir kaum ausmalen.

Vermutlich hätte ich rein ausbildungstechnisch nicht groß etwas anderes gemacht als tatsächlich passiert ist: Im Physikstudium an der TU Dresden waren unsere Frauen im Jahrgang nix anderes als wir auch: Leidende Wissensschwämme. Zwischen dem Abbruch des ersten und dem Start des Wirtschaftsinformatik-Studiums jobbte ich, ebenfalls bunt gemischten Truppen. Da interessierte nur, dass du am Band nicht einschliefst, sonst war es eher anspruchsarmes Automatenarbeiten. Auch das Zweitstudium war bunt gemischt; neben meinem WG-Partner, zu dem ich bis heute regelmäßigen Kontakt hab, bestand der Freundeskreis zu ca. 50/50 aus Männern und Frauen. Auch mein engster Kontakt war weiblich, wir waren wie Geschwister, was kaum jemand glauben konnte – und das beruhte auf Gegenseitigkeit.

Gesetzt dem Fall, dass mein Sturkopf mich Pubertät, Sex und die erste Beziehung hätte analog überstehen lassen, blieben also noch Schwangerschaften und externe Einflüsse. Vermutlich wäre ich jetzt in Elternzeit, statt nur zwei Monate zu nehmen. Das würde immer noch gehaltlich zu heftigen Einschnitten führen, aber wie arbeitest du Vollzeit, wenn du stillen willst (würd ich wollen, gesetzt dem Fall es klappt)? Vielleicht wären wir (noch) nicht in einem eigenen Haus, aus genau der Überlegung heraus, dass knapp Mindestlohn verdienende Geigenbauer keine Familie inklusive Eigenheim finanzieren können.

Ich weiß nicht und kann nicht einschätzen, inwiefern ich bereits welche sexistische Kackscheiße erlebt hätte und was das mit dem 8. Punkt meiner Selbstbeschreibung gemacht hätte. Vermutlich wäre ich je nach Erlebtem weniger offen. (An dieser Stelle verneige ich mich vor denjenigen, die sich trotz heftigst erlebtem noch offen zu Ihrer Umgebung zeigen.)

Was tust du nur deshalb, weil du ein Mann bist?

Ich pinkle im Stehen, wenn es partout nicht mehr anders geht. (Also auch auf versifften Autobahn- oder Zugtoiletten.) Ich rasiere mich im Gesicht, weil der Bartwuchs eher erbärmlich ist.

Sonst nix direkt, das widerspräche meiner Überzeugung. Falls das doch passieren sollte, bin ich sehr offen dafür, mir einen Nackenschlag verpassen zu lassen, weil wegen – Überzeugung. Siehe Subtitel des Blogs. 😉

Was tust du nicht / welche Dinge lässt du lieber, weil du ein Mann bist?

Ich halte mich Frauen gegenüber mit Sympathiebekundungen zurück, wenn ich ihnen allein begegne. Weil es aufgrund möglicher negativer Erfahrungen extra creepy und missverständlich rüberkommen könnte, besonders wenn mich mein Gegenüber noch nicht so lange kennt. Es scheint ’nicht normal‘ zu sein, dass mit einem Kompliment oder einer Begeisterung für jemand anderes, besonders vom anderen Geschlecht, nicht gleich der mehr oder weniger direkte Wunsch nach Kopulation einhergeht (aka Anbaggern).

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?

Besonders durch das eben angesprochene. Weil ich dadurch nicht die Empathie ausleben kann, die ich empfinde. Das find ich Scheiße, und dafür gehört denjenigen, die diese negativen Erfahrungen bei so vielen Frauen auszulösen vermögen (und es auch einfach tun), der [an dieser Stelle blenden wir den Titel für Sie aus. Sonst: hier lesen.]!

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Männer zu gehören.

Mir werden ähnliche Motive bei Entscheidungsfindungen unterstellt wie dem ‚typischen Karrieristen‘; das macht es für mich leichter, in den meist männerdominierten Runden Gehör zu finden.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?

Wenn es nach mir geht: in jeder.

Update weil wegen vergessen: Von wem mich ein subjektiver Blick aus der Brille des anderen Geschlechts auch interessieren würde: Mina, Frollein Null.Zwo und nicht zuletzt dem Geigenbauer meiner Parallelwelt: meinem Mann. 😉

Autor: steffen

Lebt. Liebt. Streitet.

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