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Popcorn! – „Neid und andere ‚Erziehungsgrundlagen‘. Eine Glosse.“

Neulich im beschaulichen Elternbloggerhausen: Da erdreistet sich so eine Ökohippiene, einen erquicklichen Rant über etablierte und neue Internetzschreiblinge zu verfassen. Epische Länge (für Facebook-Affine), ein Rundumschlag quer durch Sorgfalt, Kooperationsgier und Oberflächlichkeit. An und für sich nix dramatisches, die aufkeimenden Blogs rempeln ja gern mal rum, wenn’s mit der eigenen Erwartungshaltung und dem, was die geneigte Ignorantenschar so liefert, ein weniglich auseinanderdriftet. Aber dann…

Nicht doch immer wieder…Moment mal!

Nun ist besagter Rant ja schon ein paar Tage im Bloggerversum unterwegs und sollte digitalen Staub ansetzen. Aber nein: Irgendwelche Idioten kramen das Kleinod wieder und wieder aus den Untiefen des Netzes und legen nahe, dass das ein oder andere Fünkchen Wahrheit doch ziemlich piekst.

Was damit machen? Es bieten sich zwei Alternativen: „Du bist doch nur neidisch!“ und „Das lässt sich doch vermarkten!“

Neid geht immer!

Die Neid-Debatte läuft besonders gut an, indem ihre gewünschte Vermeidung postuliert wird.

Von Neid ist zwar im Rant gar nicht die Rede, vielmehr von anderen Ansprüchen an Inhalt, Form und Tiefgang, aber hey – einmal in der Welt, gibt’s auch gratis Nachschlag aus der Ecke der Kooperationsprofis:

Ja, Mensch! Na klar! Gönnen wir den Werbungsblogs die Kooperationen, den Tagebüchern die Longreads und Sternchen, den Diskussionsblogs die Kommentare. Und nicht vergessen: LeserInnen für alle! *Kinderkonfettiwerfgeräusch*

Hier kommt die Sensation!

Eine Alternative zum Neidvorwurf ist die huldvolle Belehrung – „Mensch, Ömmelchen, nu pass mal auf: Du kannst das gleiche erreichen, du musst nur…“ – aus pädagogischer Sicht ein Meilenstein der Motivationsanreize!

„Und hey, mal Clickbaiting ist ok, Aufregerthema und so! Aber nicht zu viel, ok?“ – geschrieben in einem Clickbaiting-Artikel lässt mich noch breiter grinsen als psychologische Spiegelphänomene:

Ein zünftiges „Bäm!“ in den Kanal der Wahl werfen, das Aufregerthema referenzieren, die Zielgruppe ansprechen und Voilá – fertig sind die fantastischen Zugriffszahlen, die Interaktionen, die zu erwartenden Repliken neidischer Kleinstblogger (das Ding hier darf sich an dieser Stelle vermutlich einschubladisieren). Take this, Blog-Nachwuchs!

Da fliegt den Muddis und Vaddis der Nation die Schutzkappe von den Trinkfläschchen!

Bildung at it’s best

Was lässt sich jetzt aus diesen Scharmützelchen lernen? Ich für meinen Teil sehe eine muntere Gemengelage aus Schublädchen, Messinstrumenten (na, heute schon auf die Zugriffszahlen geschielt?) und der Deutungshoheit über die Beschriftung, Form und Größe der Schublädchen, in die sich wahlweise das eigene Ich oder das geneigte Gegenüber klemmen darf/soll/kann/muss/möchte.

Bleibt zu hoffen, dass der idealerweise reflektierende Nachwuchs erkennt, dass Neid und Neidvorwürfe nix bringen und – Achtung, fachchinesisch – extrinsisch motivierte Vergleiche der eigenen Persönlichkeit keinen Entfaltungsspielraum geben, sondern nehmen. „Sei so, mach dies und das, dann wirst du schon Erfolg und Anerkennung haben, die du von anderen ja zwingend brauchst, um dir selbst etwas wert zu sein!“

Kannste so machen, aber dann isses halt Kacke. ¯\_(ツ)_/¯

(An dieser Stelle endet der Post, da er sonst die Aufmerksamkeit der Facebook-Goldfischchen noch weiter überstrapazieren würde.)

Autor: steffen

Lebt. Liebt. Streitet.

46 Kommentare

  1. Uff. Als Sandkrümel im Blogger-Universum kann ich weitestgehend die Meinung der ÖkoHippieRabenmutter teilen. Sagt sich natürlich leicht, wenn man nie für Klicks und Likes bloggte. Ich habe hauptsächlich mit dem Bloggen begonnen, weil ich einfach gern schreibe und der Austausch via Kommentare mir sehr willkommen war und ist. Daher war ich beinahe schon beleidigt, als mir Kooperationen nahegelegt wurden (für Ferienwohnungen am Meer und so…). Ich teile auch ÖkoHippieRabenmutters leidenschaftliches Plädoyer für eine saubere Sprache.

    Letztlich ist es wohl so, dass es im Blogger-Universum immer solche und solche gibt – sowohl unter Lesern als auch unter Schreibern. Ich hätte keine Lust, mich für Zugriffszahlen zu verbiegen und Theater zu spielen. Aber es gibt eben auch Menschen, die wenig glaubwürdigen Hochglanz bieten und solche, die nur genau das lesen wollen. Hat mit Leben dann wenig zu tun. Kann man so machen, aber dann ist es halt Kacke. Aber da spricht vielleicht auch nur der Neid der Winzigkleinstbloggerin aus mir.

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  2. Pingback: Frau Rabe

  3. Darum, dass eine kritische Meinung bzw. die Einstellung dahinter (der Ursprungsbeitrag der Hippieline) nicht stehengelassen werden kann, ohne sie mit niederen Motivationsunterstellungen und ‚gut gemeinten Ratschlägen‘ zu traktieren.

    via facebook.com

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  4. Eine anonyme Twitterin

    18/02/2016 @ 10:58

    Ich hab mir gerade diese 3 Blogs durchgelesen die da gerade zu Diskussionen führen. Ich frag Dich jetzt mal was dazu:

    Der erste von der Hippie Mutter, ich lese da weder Neid noch Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Blog. Ich lese da genervt sein über nachlässige Rechtschreibung und Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit. Ich lese da auch nicht, dass sie unzufrieden ist darüber, dass ihr Blog eher klein ist. Sie findet es nur blöd, dass woanders viel Werbung dazwischen ist und solche Dinge….

    Sie scheint zufrieden mit den Dingen auf die sie selbst wert legt und es nervt sie etwas, dass sie damit zu einer Minderheit gehört. Aber nicht, weil sie ‚klein‘ ist, sondern weil sie es schöner fände, wenn die anderen auch mehr Sorgfalt walten lassen würden… -> der allgemeinen Hochwertigkeit zuliebe…

    Die 2. dann (2-Kind-Chaos) scheint das anders verstanden zu haben.
    Sie hält sich für ‚weiter‘ und scheint zu erklären wie man dahin kommen kann, wo sie selbst schon ist… -> also vermeintlich ‚weiter’….

    (obwohl ich glaube, dass die erste gar nicht ‚dahin‘ kommen will….)

    Also irgendwie liest sich das 2. so, dass sie sich selbst und ihren eigenen, gut gemachten Blog bauchpinselt, und nun der ersten sagen will: „Das kannst Du auch schaffen…“

    (wie gesagt, ich las bei der ersten aber keine Bitte heraus, etwas anders (besser) machen zu wollen….)

    Dann las ich Deins. Du scheinst es nicht gut zu finden, dass die 2. der ersten solche Ratschläge gibt.
    Die Ironie ist überall zu erkennen (oder vertue ich mich da?)

    Ich glaube es ist eine Kritik am 2. Text, nicht am 1., oder?

    Bei der ersten las ich weder Neid noch den Wunsch, größer zu sein.

    Bei der zweiten las ich Selbstbeweiräucherung und eine Art „ich helfe gerne“ -> nur eben so unaufgefordert.

    Ich frage mich aber, warum jetzt so viele über Dich herfallen. Du hast doch lediglich aufgezeigt, was die 2. tat…..

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  5. Lustig, dass die „Ökohippiene“ über Rechtschreibfehler anderer herzieht, aber selbst so viele macht – und diese nach über einem Monat immer noch nicht korrigiert hat.

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  6. jetzt mal ernsthaft: steht ihr alle darüber?

    klar ist der Text nicht wertschätzend. nur sind das viele andere ja auch nicht.

    klar ist der Text irgendwie eklig. ich empfinde dieses „was ich kann, kannst Du auch“ selbst auch als eklig. gleichzeitig ist es mir nur so egal, dass ich darüber niemals schreiben würde.

    aber die Gedanken da oben kann ich schon verstehen. und warum nicht mal derbe draufhauen? wir sind doch erwachsen. und wenn die Intention sich nicht mit dem deckt, was Steffen kritisiert (nämlich ein paternalistisches Prinzip, das tatsächlich kritisierenswert ist!), dann ist doch auch nichts passiert.

    ich blogge seit 3 Jahren. mein Blog ist nach wie vor klein. ich sehe darin immens viele Vorteile! und trotzdem habe ich mich gefragt, wie die anderen das mit dem wachsen machen. jetzt weiß ichs und kann das Gegenteil tun. ;-))

    Minusch

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  7. Puuh! Irgendwie ist das alles so eloquent ausgearbeiteter Kindergarten! Da schlackern einem die Ohren ob dieser virtuellen Prügelei! Ein bisschen sprachlos, aber sehr fasziniert wie es so abgeht in Bloggerhausen. Schönen Gruß von einer coolen Jungbloggerin, die zu gute Laune hat zum Streiten!

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