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„…ich hab aber keine Lust auf die Arschkarte.“

Zwei Tage ist es her, dass mich ein Anruf der KiTa ereilte. Nein, nicht wie befürchtet ein Problem mit der Eingewöhnung des zweiten Kindes – die Dimensionen unseres Kinderwagens stießen der Leitung auf. Und sie verbannten ihn nach draußen.
Das wollte ich mir nicht gefallen lassen – und beschloss, zu handeln.

Wir waren ja nicht das erste Mal unbequem. Als die große Schwester des aktuell in Eingewöhnung befindlichen jüngeren Bruders dazu überging, mittags keinen Schlaf mehr zu benötigen, gerieten wir bereits aneinander.

Optionen: Immer eins nach dem anderen

Als mich wie im Verbannungsartikel beschrieben eine der Mitarbeiterinnen ansprach, zog gleich die erste Option: Sie wollte es mit der Leitung der Einrichtung diskutieren. Daraufhin erfolgte der berühmte Anruf der Leitung.

Ich beendete das Gespräch mit den Worten: „Sie sind die Leiterin. Wenn Sie das so festlegen, dann ist das erst mal so, egal, für wie sinnvoll ich es erachte, dass ich mit zwei Wagen kommen darf, die mehr Platz benötigen als einer.“ Das hieß jedoch nicht, dass ich mich geschlagen geben würde…

Der Stein des Anstoßes

Der Stein des Anstoßes

Nach der Leitung eines privaten Trägers kommt nach oben erst mal nix, was man noch machen könnte. Wohl aber seitwärts:

Der Elternbeirat

Dem Gremium vorzutragen, dass Fahrradanhänger – ebenso wie Zwillingswagen(!) – als zu groß für den Abstellraum definiert werden (was schlicht nicht stimmt, unser Wagen passt bisher immer prima rein), wär Teil eins. Dass jeder mit Zwillingen oder zwei Kindern in der Einrichtung gearscht ist: Spricht das Gerechtigkeitsempfinden an.

Die Lokalpolitik

Der Ort rühmt sich, etwas für seine Bewohner zu tun. Dass ausgerechnet der engagierte Verein, der Träger unserer KiTa ist, es nachhaltig und zukunftsorientiert lebenden Bewohnern schwer macht: Das ließe sich unterbringen. Der Ort ist klein, die Politiker ziemlich bürgernah und engagiert.

Die Presse

Die Lokalblättchen der Süderelbe berichten gern mal kleine empörungswerte Stories aus der Umgebung. Und das wäre so eine. Nicht vielversprechend, aber eben ein Mittel, um Öffentlichkeit zu erwirken.

Die große Politik

Ein weiterer Vorteil: ausgerechnet unsere kleine Gemeinde ist eine von fünf Modellkommunen des Familienministeriums der Bundesregierung.

Für das Thema, festhalten: „Kommunale Zeitpolitik für Familien“ – eines der Dinge, die damit nicht mehr klappen würden bei uns, wie Anne sehr anschaulich geschildert hat.

Nicht aufgeben!

Während Anne heute morgen nicht viel besser auf die Situation zu sprechen war als gestern, beschloss ich zweierlei:

Erstens: Den Termin für die nächste Elternbeiratssitzung eruieren. (Ich bin Elternbeirat der Gruppe der Tochter, also auch teilnahmeberechtigt). Zweitens: Die Chefin des Ladens nochmal persönlich erwischen.

Als ich heute nachmittag in der KiTa erschien, um die Kids einzusammeln, läuft mir ‚Zweitens‘ über den Weg – und ich bitte um ein persönliches Gespräch: Morgen nachmittag, nächste Woche oder jetzt. Die Kids sind noch gut drauf und nicht abreisewillig, morgen passt ihr nicht, nächste Woche war schwammig – also jetzt.

Ich berichte nüchtern über die Reaktion der Kinder, wie von Anne in ihrem Post beschrieben. Den zeitlichen Auswirkungen auf unsere Arbeitswege, da wir kein Auto haben und nicht planen, uns nur wegen der KiTa eins anzuschaffen. Ich mache einen Hinweis auf die Gesundheit der Kinder, wenn der Wagen ausgekühlt ist.

Die Leiterin klagt mir ihr Leid: Sie müsse auf über 100 Kinder Rücksicht nehmen. Und Regelungen schaffen, die für alle einheitlich sind (warum, das erschließt sich mir nicht ganz, ist wahrscheinlich so ein Schubladengedöns). Und dass jetzt in der kalten Jahreszeit ja nicht so viele Wagen da seien, das sei ja richtig, aber wenn’s wieder wärmer wird…

Ich grätsche dazwischen: „Ich habe einen Vorschlag. Wenn’s wärmer ist, weniger stürmisch, und trocken bleiben soll – ich lass bei den Bedingungen den Wagen auch draußen stehen. Und schieb ihn eben nicht in den Raum, wo dann Ihrer Erfahrung nach mehr ‚Karren‘ stehen.“

Die Reaktion: „Passen Sie auf, Herr Pelz. Ihr Wagen ist immer noch zu große für den Abstellraum. Aber wir haben hier im Haus einen Abstellplatz für unsere Spazierwagen. Da, in der Ecke, können Sie den Wagen bei schlechtem Wetter und im Winter abstellen.“

Menschen

Es zeigen sich zwei Dinge:

  1. Rede mit Menschen. Persönlich. Bleib sachlich. Und ruhig. Unterstelle keine Blödheit und schau, wie weit du kommst.
  2. Höre auf Frau Hasenherz. Mit ihrem Vorschlag, wie mit der Situation umgegangen werden könne, wurden alle nachfolgenden Optionen obsolet.

Die Leiterin der KiTa und ich – wir werden wahrscheinlich kein großes Liebespaar mehr. Aber Achtung voreinander, das ist etwas, das bleiben wird. Denn jenseits der für uns nicht nachvollziehbaren Entscheidung glaube ich ihr eins gern: Mit anderen Eltern kann man sich nicht so rational unterhalten wie mit mir.

Auch wenn ich ein ‚pain in the ass‘ bin. (Mein Ex-Chef wird breit grinsend nicken.)

Autor: steffen

Lebt. Liebt. Streitet.

21 Kommentare

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...und was meinst du dazu?

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